Inkontinenz und empfindliche Haut: Wie Pflegekleidung im Alltag unterstützen kann
Bei Inkontinenz geht es nicht nur darum, ein geeignetes saugendes Hilfsmittel zu finden. Auch empfindliche Haut, Feuchtigkeit, häufige Wäschewechsel und die Wahrung der persönlichen Würde spielen im Pflegealltag eine wichtige Rolle.
Pflegekleidung kann die eigentliche Inkontinenzversorgung nicht ersetzen. Sie kann sie jedoch sinnvoll ergänzen – beispielsweise indem ein Pflegebody saugendes Inkontinenzmaterial körpernah bedeckt oder ein Pflegeoverall einen unkomplizierten Zugang beim Wechsel ermöglicht.
Dieser Ratgeber erklärt, worauf Angehörige und Pflegekräfte bei Pflegekleidung rund um Inkontinenz und empfindliche Haut achten können. Er ersetzt keine medizinische oder pflegefachliche Beratung und gibt keine Empfehlung zur Behandlung von Hauterkrankungen.
Haut möglichst trocken halten
Pflegekleidung ersetzt keinen rechtzeitigen Wechsel der eigentlichen Inkontinenzversorgung. Feuchte oder verschmutzte Textilien sollten zeitnah gewechselt werden.
Reibung vermeiden
Weiche Materialien, eine passende Größe und ein faltenarmer Sitz können bei empfindlicher Haut angenehmer sein als ein zu enges oder verrutschendes Kleidungsstück.
Pflege praktisch gestalten
Beinreißverschlüsse oder andere pflegegerechte Öffnungen können den Wechsel von Inkontinenzmaterial ermöglichen, ohne die Person vollständig entkleiden zu müssen.
Warum Inkontinenz die Haut zusätzlich belasten kann
Die Haut älterer und pflegebedürftiger Menschen ist häufig trockener und empfindlicher als in jüngeren Jahren. Dadurch kann sie anfälliger für Reizungen sein.
Bei Inkontinenz kommt hinzu, dass die Haut über längere Zeit mit Feuchtigkeit sowie gegebenenfalls mit Urin oder Stuhl in Kontakt kommen kann. Dies kann die natürliche Hautbarriere belasten.
In der Pflege wird in diesem Zusammenhang unter anderem von einer inkontinenzassoziierten Dermatitis gesprochen. Dabei handelt es sich um eine Hautentzündung, die durch länger anhaltenden Kontakt mit Urin und/oder Stuhl entstehen kann.
Wie gereizte oder entzündete Haut behandelt werden sollte, gehört in fachkundige Hände. Bei auffälligen Hautveränderungen sollte daher medizinischer oder pflegefachlicher Rat eingeholt werden.
Pflegekleidung ist Teil des Gesamtablaufs – nicht die eigentliche Inkontinenzversorgung
Saugende Hilfsmittel übernehmen die eigentliche Aufnahme von Urin beziehungsweise Stuhl. Pflegekleidung erfüllt eine andere Aufgabe.
Ein Pflegebody kann beispielsweise dazu beitragen, dass Unterwäsche und Inkontinenzmaterial körpernah getragen werden und weniger leicht verrutschen. Gleichzeitig lässt sich ein Body diskret unter normaler Tageskleidung tragen.
Ein Pflegeoverall kann wiederum praktisch sein, wenn für die Versorgung ein größerer Kleidungsbereich geöffnet werden soll oder wenn die betroffene Person Kleidung beziehungsweise Inkontinenzmaterial wiederholt selbst entfernt.
Einen grundlegenden Überblick über die verschiedenen Varianten finden Sie in unserem Pflegewäsche-Ratgeber.
Warum ein guter Sitz bei empfindlicher Haut wichtig ist
Pflegekleidung sollte weder deutlich einschnüren noch unnötig locker sitzen. Ist ein Kleidungsstück zu eng, können Druck und Reibung entstehen. Ist es dagegen deutlich zu groß, können sich Stoff und Nähte stärker verschieben oder Falten bilden.
Gerade bei empfindlicher Haut lohnt es sich daher, die passende Größe sorgfältig auszuwählen und regelmäßig zu prüfen, ob sich die Körperform oder der Pflegebedarf verändert haben.
Auf Druckstellen achten
Bündchen, Verschlüsse und Nähte sollten nicht dauerhaft stark auf die Haut drücken. Besonders bei längerem Sitzen oder Liegen lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf empfindliche Hautbereiche.
Falten möglichst vermeiden
Zusammengeschobener Stoff kann bei empfindlicher Haut unangenehm sein. Kleidung sollte daher möglichst glatt und passend sitzen.
Welche Materialien können im Pflegealltag angenehm sein?
Viele Pflegebodys und Pflegeoveralls bestehen ganz oder überwiegend aus Baumwolle. Baumwolle wird häufig eingesetzt, weil sie sich weich anfühlt und sich gut für alltagstaugliche Pflegekleidung eignet.
Bei Pflegebodys wird Baumwolle teilweise mit Elasthan kombiniert. Dadurch kann der Stoff elastischer werden und sich körpernah tragen lassen, ohne dass der Body starr sitzt.
Welches Material tatsächlich angenehm ist, bleibt individuell. Bei bereits gereizter, wunder oder krankhaft veränderter Haut sollte die Materialwahl gegebenenfalls mit einer Pflegefachperson oder behandelnden medizinischen Fachperson abgestimmt werden.
Pflegebody bei Inkontinenz: diskret unter der Alltagskleidung
Ein Pflegebody verbindet Unterhemd und Unterhose zu einem Kleidungsstück. Dadurch kann er körpernah getragen werden und gleichzeitig dazu beitragen, Inkontinenzmaterial abzudecken und an seinem Platz zu halten.
Pflegebodys werden unter normaler Alltags- oder Nachtkleidung getragen und wirken dadurch deutlich weniger wie klassische Pflegebekleidung.
In unserer Kategorie Pflegebodys für Erwachsene finden Sie Modelle mit unterschiedlichen Verschlussvarianten und Materialien.
Beinreißverschluss: sinnvoll bei häufigem Wechsel
Ein Body mit Beinreißverschluss kann besonders praktisch sein, wenn Inkontinenzmaterial häufiger gewechselt werden muss.
Der Verschluss ermöglicht den Zugang im unteren Körperbereich, ohne dass das Kleidungsstück vollständig ausgezogen werden muss. Das kann den Pflegeablauf verkürzen und gleichzeitig dazu beitragen, den Oberkörper bedeckt zu lassen.
Ein Beispiel ist unser Pflegebody Kurzarm mit Beinreißverschluss , der aus Baumwolle mit Elasthan besteht und für den täglichen Pflegeeinsatz konzipiert ist.
Langarm-Pflegebody in der kühleren Jahreszeit
Gerade im Herbst und Winter kann ein Body mit langen Ärmeln zusätzlich helfen, den Oberkörper bedeckt und warm zu halten.
Beim Suprima Pflegebody 4699 verbindet sich der lange Arm mit einem teilbaren Beinreißverschluss. Das ermöglicht einen Zugang zur Inkontinenzversorgung, ohne den gesamten Body ausziehen zu müssen.
Auch hier gilt: Wärme ist angenehm, Überwärmung und Schwitzen sollten jedoch vermieden werden. Kleidung und Raumtemperatur sollten zur individuellen Situation passen.
Wann ist ein Pflegeoverall sinnvoller als ein Body?
Ob Body oder Overall besser geeignet ist, hängt vom Pflegebedarf ab. Ein Body wird unter normaler Kleidung getragen und ist besonders diskret. Ein Pflegeoverall ersetzt dagegen je nach Modell die Tages- oder Nachtwäsche.
Pflegeoveralls mit einem Reißverschluss zwischen den Beinen können den Zugang zur Inkontinenzversorgung erleichtern. Modelle mit zusätzlichem Rückenreißverschluss ermöglichen außerdem ein Ausziehen nach unten, ohne das Kleidungsstück über den Kopf ziehen zu müssen.
In unserer Kategorie Pflegeoveralls und Pflegekleidung finden Sie unterschiedliche Varianten für verschiedene Pflegesituationen.
Pflege ermöglichen, ohne vollständig zu entkleiden
Gerade bei der Intimpflege und Inkontinenzversorgung spielt die persönliche Würde eine wichtige Rolle.
Kleidung mit gezielt platzierten Öffnungen kann dabei helfen, nur den Körperbereich freizulegen, an dem tatsächlich gepflegt oder Inkontinenzmaterial gewechselt wird. Der restliche Körper bleibt bedeckt.
Das kann nicht nur praktisch sein, sondern auch dazu beitragen, eine Pflegesituation weniger entblößend zu gestalten.
Scham und Inkontinenz: ein Thema, das nicht übergangen werden sollte
Hilfe beim Toilettengang, beim Wechseln von Inkontinenzmaterial oder bei der Intimpflege kann als sehr persönlich und unangenehm empfunden werden.
Scham lässt sich nicht immer vermeiden. Wichtig ist jedoch, Grenzen und Wünsche ernst zu nehmen und möglichst viel Selbstbestimmung zu erhalten.
Dazu gehört zum Beispiel, vor einzelnen Pflegeschritten zu erklären, was gemacht wird, nur notwendige Körperbereiche freizulegen und die betroffene Person soweit wie möglich selbst mitwirken zu lassen.
Pflegekleidung sollte nicht unnötig einschränken
Pflegebodys und Pflegeoveralls werden teilweise eingesetzt, wenn Inkontinenzmaterial immer wieder selbst entfernt wird. Auch dann sollte das Kleidungsstück immer zur individuellen Situation passen und bequem sitzen.
Ziel sollte nicht sein, einen Menschen möglichst stark einzuschränken. Funktionale Pflegekleidung soll Pflege, Hygiene und Alltag unterstützen.
Besonders bei Demenz oder neu auftretendem Verhalten lohnt sich außerdem die Frage, warum eine Person an Kleidung oder Inkontinenzmaterial zieht. Unbehagen, Wärme, Hautreizungen, Harndrang oder andere körperliche Ursachen sollten nicht übersehen werden.
Hautveränderungen ernst nehmen
Rötungen, nässende Stellen, offene Haut, Schmerzen oder andere deutliche Veränderungen sollten nicht allein durch einen Wechsel der Kleidung behandelt werden.
In solchen Situationen sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Das gilt insbesondere bei anhaltenden Veränderungen, offenen Stellen, Infektionszeichen oder wenn die betroffene Person Schmerzen äußert beziehungsweise Schmerzen vermutet werden.
Pflegekleidung kann den Alltag erleichtern – eine medizinische oder pflegefachliche Hautbeurteilung ersetzt sie nicht.
Wäschewechsel und Hygiene im Alltag
Pflegekleidung wird häufig stärker beansprucht als normale Freizeitkleidung. Deshalb lohnt sich beim Kauf auch ein Blick auf Waschtemperatur und Trocknereignung.
Viele unserer Pflegebodys und Pflegeoveralls sind bei 60 Grad waschbar, einige Modelle auch bei höheren Temperaturen. Entscheidend sind immer die Pflegehinweise des jeweiligen Herstellers.
Verschmutzte oder feuchte Kleidung sollte nicht bis zum nächsten regulären Wäschewechsel am Körper verbleiben. Gerade bei empfindlicher Haut ist ein trockener und sauberer Kontaktbereich wichtig.
Vier Fragen bei der Auswahl von Pflegekleidung
Wie häufig muss die Versorgung gewechselt werden?
Bei häufigem Wechsel kann ein Beinreißverschluss den Zugang erleichtern, ohne dass die Person vollständig entkleidet werden muss.
Wird normale Kleidung darüber getragen?
Dann kann ein Pflegebody eine besonders diskrete Lösung sein. Ein Pflegeoverall eignet sich dagegen als eigenständige Tages- oder Nachtkleidung.
Wie empfindlich ist die Haut?
Material, Nähte, Passform und Verschlüsse sollten möglichst angenehm sitzen. Bereits bestehende Hautprobleme gehören fachlich beurteilt.
Wird Inkontinenzmaterial selbst entfernt?
Dann kann je nach Situation eine andere Verschlussposition sinnvoll sein. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob hinter dem Verhalten Unbehagen, Hautreizungen oder andere Ursachen stehen.
Fazit: Pflegekleidung ergänzt eine gute Inkontinenzversorgung
Pflegebodys und Pflegeoveralls können Inkontinenzmaterial nicht ersetzen. Ihre Stärke liegt an anderer Stelle: Sie können die Versorgung diskreter gestalten, beim Sitz von Inkontinenzmaterial unterstützen und durch geeignete Verschlüsse den Wäsche- und Versorgungswechsel erleichtern.
Bei empfindlicher Haut kommt es dabei besonders auf einen passenden Sitz, angenehme Materialien, trockene und saubere Kleidung sowie den rechtzeitigen Wechsel feuchter Textilien an.
Am wichtigsten bleibt jedoch der Mensch selbst: Pflege sollte so gestaltet werden, dass Selbstbestimmung, Würde und persönliche Schamgrenzen möglichst erhalten bleiben.
Häufige Fragen zu Inkontinenz und Pflegekleidung
Ersetzt ein Pflegebody Inkontinenzmaterial?
Nein. Ein Pflegebody ist textile Pflegekleidung. Er kann Inkontinenzmaterial bedecken und beim körpernahen Sitz unterstützen, übernimmt aber nicht dessen Saugfunktion.
Welcher Verschluss eignet sich bei häufigem Wechsel?
Ein Beinreißverschluss kann praktisch sein, weil er den Zugang zur Inkontinenzversorgung ermöglicht, ohne dass das Kleidungsstück vollständig ausgezogen werden muss.
Kann Pflegekleidung empfindliche Haut schützen?
Pflegekleidung kann durch passenden Sitz, angenehme Materialien und trockene Textilien zum Komfort beitragen. Sie verhindert oder behandelt jedoch keine Hauterkrankung. Entscheidend bleiben geeignete Inkontinenzversorgung, Hautpflege und fachliche Beurteilung bei Veränderungen.
Was tun bei geröteter oder wunder Haut?
Deutliche, anhaltende oder schmerzhafte Hautveränderungen sollten medizinisch oder pflegefachlich beurteilt werden. Pflegekleidung allein ist dafür keine Behandlung.
Weiterführende Informationen
Diese Bereiche helfen bei der Auswahl passender textiler Lösungen: